Verliere nicht deine Erwartung !

„Meine Worte gehen in Erfüllung, wenn die Zeit dafür da ist.“ Lukas 1,20
Ohne Zweifel: Zacharias war ein gottesfürchtiger Mann. Dafür wird er ausdrücklich gelobt und von ihm und seiner Frau heißt es: „Beide lebten so, wie es in den Augen Gottes recht ist, und hielten sich in allem streng an die Gebote und Vorschriften des Herrn“ (1/6). Trotzdem musste er sich vom Engel Gabriel sagen lassen: „Weil du nicht geglaubt hast … sollst du stumm sein…“ (1/20). Als es darum ging, einer konkreten Verheißung Gottes zu glauben war Zacharias ins Wanken geraten. Einen Sohn sollte er bekommen. Um den hatten er und seine Frau schon seit vielen Jahren dringend gebetet. Wie dringend macht allein die Erleichterung Elisabeths deutlich, als sich die Erhörung endlich einstellte: „Er hat mich von der Schande (der Kinderlosigkeit) befreit …“ (V25). Wie konnte es passieren, dass ein so gottesfürchtiger Mann wie Zacharias im entscheidenden Augenblick und angesichts einer nicht wegzudiskutierenden göttlichen Erscheinung ins Zweifeln kam? Kann es eine größere Glaubensermutigung geben, als wenn wir buchstäblich von einem Engel besucht werden? Wie kann da der Zweifel noch Raum haben? Was war im Laufe der Zeit mit Zacharias geschehen? Viele Jahre war sein Gebet unerhört geblieben. Vielleicht hatten er und seine Frau das Gebet um Kinder wegen ihres Alters bereits längst eingestellt. Vielleicht aber beteten sie auch weiter dafür, aber nur noch mechanisch – sozusagen, um ihre Gebetsliste „abzuarbeiten“. Das könnte auch bei uns so sein. Wir beten vielleicht seit Jahren für unsere Angehörigen, für einen Kranken, einen Aufbruch in unserer Gemeinde, die Erneuerung einer zerbrochenen Beziehung – aber die Erwartung ist längst erloschen, wir beten nur noch aus Gewohnheit oder Routine. Ein Mitarbeiter einer Gemeinde sollte kurzfristig für den Pastor einspringen und einen Bibelabend halten. Als er auf die entsprechende Anfrage zunächst zögernd reagierte, wollte ihn der Pastor ermutigen und rief ihm zu: „Ach komm, du bist doch erfahren, das machst du mit Routine!“ Mit anderen Worten: „Hauptsache, wir bekommen das Programm durchgezogen, dein Beitrag muss ja nicht gerade inspiriert sein. Ich erwarte ja nicht wirklich, dass er etwas Entscheidendes bewegen und verändern kann.“ Wenn wir ehrlich sind, geraten wir nur zu bald in ein ähnliches Fahrwasser. Wir machen immer weiter und sprechen über einen wunderwirkenden Gott, aber wirklich ein wunderbares Eingreifen erwarten wir schon längst nicht mehr. Nein, wir sind da oft nicht besser als Zacharias, der ja ansonsten durchaus ein Vorbild ist. Gott sei Dank hinderte Gott seine Erwartungslosigkeit nicht, dennoch zu handeln. Das ist tröstlich. Aber er verlor seine Stimme, Gott handelte zwar an ihm, aber für eine gewisse Zeit nicht mehr durch ihn. Bei Maria, der Mutter Jesu, die einen ähnlichen Besuch bekam, lief das anders. Sicher, sie war noch jung und schleppte keinen solchen Berg an unerhörten Gebeten mit sich herum wie der alte Zacharias. Sie konnte gleich und freudig „Ja“ sagen und wurde sofort zur Zeugin Gottes. Ihr Jubellied – das Magnificat – gibt Zeugnis davon. Gott handelte nicht nur an ihr, sondern auch durch sie. Bei Zacharias ging die Sache am Ende noch gut aus. Er erhielt seine Stimme zurück und dann platzte es aus ihm heraus. Der Benedictus-Hymnus, sein Lobpreislied (Lk. 1,68-79), ist ein großartiges Glaubenszeugnis mit prophetischer Dimension. Die Lektion ist also eine doppelte: Hüten wir uns vor geistlicher Routine und inhaltslosen Gewohnheiten. Im entscheidenden Augenblick können wir sonst nicht glauben und erkennen nicht einmal unübersehbare Zeichen Gottes. Wir wären nicht die ersten, an denen Gottes Wirken dann vorübergeht oder deren Zeugniskraft verstummt. Und dann: Vertrauen wir auf die Barmherzigkeit Gottes, die auch abgebrannte und verbrauchte Diener Gottes wiederherstellt und ihnen, selbst nach Jahren der Stagnation, eine neue Stimme und einen neuen Lobgesang schenken kann.

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