Mit zwei Flügeln aufsteigen

Liebe CZD Gemeinde,

Wie kann man das Leben des Christen und den Auftrag der Gemeinde am besten illustrieren? Mir gefällt das Bild des Adlers, der nur mit zwei Flügeln fliegen kann. Christliche Existenz bewegt sich nämlich ebenfalls zwischen zwei Polen. Da ist der Ruf Gottes an mich, an sein Herz zu kommen und mit ihm Gemeinschaft zu haben. Wenn ich das getan habe und zu ihm gehöre, will er mich als nächstes aber nicht festhalten, sondern mich in seine Mission mit hineinnehmen und mich als seinen Boten senden, damit auch andere ihn finden. Mein Glaubensleben bewegt sich also in zwei Richtungen: hin zu Gott und hin zu den Menschen. Das sind die zwei Flügel. Nur wenn beide Bewegungen in einem ausgeglichenen Verhältnis stehen, kann man fliegen, steigt die Kirche auf und kann etwas bewegen.

Was heißt das für uns als Gemeinde? Nun, ich will ein anderes Bild gebrauchen, um das besser zu erklären. Ich habe eine Familie, eine Frau und zwei Kinder. Wieviele schöne Stunden haben wir zu viert verbracht und die Zeit ganz für uns alleine genossen. Das ist sehr wichtig, dafür muss genügend Raum sein. Dann aber haben wir immer wieder auch Gäste gehabt und uns auf sie gefreut. Da packt dann jeder mit an und will den Gästen einen schönen Tag schenken. Wir erwarten sie voller Freude, schmücken das Haus, machen ein tolles Essen, bereiten vielleicht sogar ein Programm vor. Das macht richtig Spaß und es sind Höhepunkte. Es ist toll Gäste zu haben und anderen zu dienen. In solchen Momenten kann man dann aber nicht zusammen im Bett liegen und ich als Papa erzähle Indianergeschichten, wie ich das immer leidenschaftlich gerne getan habe – jetzt nicht. Das kommt dann wieder später, wenn die Gäste aus dem Haus sind. Und jetzt ist die Gemeinde auf der einen Seite auch eine Familie, die Zeit für sich alleine braucht, Zeit mit dem Vater, Familienzeit. In besonderer Weise wird diese familiäre Atmosphäre für mich übrigens im Abendmahl sichtbar. Das ist dem Wesen nach keine öffentliche Veranstaltung, sondern eine Feier der Familie Gottes, wir versammeln uns um seinen Tisch, um den Familientisch. Dann aber ist die Gemeindefamilie ausdrücklich auch ein Gästeteam, dass mit allen Kräften danach strebt, Menschen zu dienen und ihnen ein Willkommen und ein zu Hause zu bereiten. Gäste zu haben ist kein Höhepunkt der Gemeinde, sondern ihre Bestimmung schlechthin.

Für unser Gemeindeleben und insbesondere für unseren Gottesdienst sollte das Konsequenzen haben. Der Gottesdienst am Sonntag Morgen erweist sich in immer mehr Gemeinden Deutschlands als hervorragende Gelegenheit, um einen Erntepunkt zu schaffen. Davon können wir lernen. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von einem öffentlichen Gottesdienst, der ganz bewußt versucht, sich weitgehend auf die Kultur und die üblichen Elemente einer öffentlichen Veranstaltung in unserem Land einzulassen. Damit verstellen wir uns nicht, denn wir sind ja selbst Teil dieser Kultur. Wir brauchen hier gar nichts zu spielen, wir vermeiden lediglich einige intime, familientypische Umgangsformen, die wir in abgewandelter Form oder an anderer Stelle leben. Das wäre in unserem Fall etwa das laute und öffentliche Gebet in anderen Sprachen, Befreiungsdienst, Ruhen im Geist oder auch unser Flaggendienst. Wir sind also ganz echt und ganz authentisch und was geboten wird, schmeckt uns selbst natürlich auch. Der gedeckte Tisch ist nicht nur für Gäste gut, wir werden selber mehr als satt. Und wir geben uns besondere Mühe – für unsere Gäste nur das Beste. Dafür werbe ich, dafür will ich euch gewinnen, weil ich überall im Land sehe, wie deutlich mehr Menschen dadurch zu Christus finden. Und das muss doch im Mittelpunkt stehen, nicht wahr?

Und das andere, der zweite Flügel? Ich werbe für einen Gottesdienst im Monat, an dem wir am Tisch des Vaters sitzen, an dem wir die familientypischen Gewohnheiten genießen, etwa an einem Sonntag abend. Nur dort? Natürlich nicht nur dort! Auch die Kleingruppen, die wöchentlich stattfinden, bieten viel Raum für das ganz spezifische Formen des CZD ´s, wenngleich auch hier die Einladung von Gästen immer ein Thema sein sollte. Und dann unsere Dienstgruppen. Wenn wir uns vorbereiten, wenn wir uns in unseren Teams treffen. Hier ist Raum für ganz interne, CZD-typische Überzeugungen. Ich denke weiter an unsere Freizeiten, unsere Segnungszeiten nach jedem Gottesdienst oder an unsere Fürbittegruppen. Ich meine, der zweite Flügel hat durchaus einen guten Raum, sollte aber durch die monatlichen interen Gottesdienste, „In seiner Nähe“, noch verstärkt werden. Eine ausgewogene Balance, das ist, was wir brauchen.

In den nächsten Wochen und Monaten will ich mit dem Ältestenteam weiter mit euch im Gespräch bleiben darüber. In Einzelgesprächen, im Gemeindebrief, in erklärenden Statements während der Gottesdienste, in einer Predigtreihe, in einem weiteren Forum und auch hier im Blog. Sprecht mich und die Ältesten an, wenn euch etwas bewegt. Ich wünsche mir, das unter uns etwas reifen kann. Es geht ja ohnehin nicht um eine Revolution, sondern eher um eine Reform, eine Innovation, um eine Weiterentwicklung dessen, was ohnehin schon da ist. Wir gehen einfach nur den nächsten Schritt. Und immer wieder den nächsten Schritt zu gehen, um mit unserer Mission auf der Höhe zu sein entspricht der alten Überzeugung der Reformatoren, die den SAtz geprägt haben „Ecclesia semper reformanda“ – die Gemeinde muss sich beständig erneuern und reformieren, nicht nur einmal.
Im nächsten Beitrag werde ich den öffentlichen Gottesdienst weiter erklären und beschreiben. Anschließend werde ich im dann folgenden Beitrag ein Bild vom internen Gottesdienst malen, damit das Bild klarer wird. Bleibt mir also treu und klickt euch wieder rein. Hier aber schon mal die wichtigsten Gedanken dazu als pdf.
Seid gesegnet
Euer Bernhard

GF 29-6-14 Blog

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Die Hoffnung der Welt

Liebe CZD Gemeinde,

unsere letzte Predigt in der Reihe „Die besten Zeiten …“ trägt den Titel: Die Hoffnung der Welt. Wer uns was ist damit gemeint? Und welche Kraft und Wirkung hat Hoffnung?

Petrus macht uns klar, dass es bei der Frage der Hoffnung um uns geht, um Christen, die von neuem geboren wurden. Sie haben nicht nur eine lebendige Hoffnung, sie sind eine.

Gelobt sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns aufgrund seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das im Himmel aufbewahrt wird für uns.

1. Petrus 1,3-4

In Anlehnung an die Bergpredigt, in der Jesus seine Jünger „Licht der Welt“ und „Salz der Erde“ nennt, können wir also in einem ganz bestimmten Sinn mit Petrus sagen: „Du bist die Hoffnung der Welt!“ „Die Gemeinde ist die Hoffnung der Welt!“
Welche Konsequenzen Hoffnung für einen Glaubenden hat, wird uns am Beispiel von Mose deutlich:

Wie kam es, dass Mose, als er groß geworden war, nicht länger »Sohn der Tochter des Pharaos« genannt werden wollte? Der Grund dafür war sein Glaube. Mose wollte lieber mit dem Volk Gottes leiden, als sich dem flüchtigen Genuss der Sünde hinzugeben. Die Schmach, die er dadurch auf sich nahm – dieselbe Schmach, die auch Christus zu tragen hatte –, bedeutete ihm mehr als alle Reichtümer Ägyptens, weil sein Blick auf die Belohnung gerichtet war, ´die Gott für ihn bereithielt`. Hebräer 11,24-26

Der Glaube reichte nicht aus, damit Mose so ein kraftvolles Leben führen konnte. Ohne seine Fokussierung auf die Belohnung, von der ja auch Petrus spricht, ohne seine Hoffnung auf Lohn und das kommende Reich, hätte er wohl kaum ein solches Leben führen können. Die Hoffnung gab ihm die Kraft:

1. Nein zu sagen, zu verzichten
Die Kraft des Vergnügens und des leichten Lebens ohne Sinn und Ziel verlor für ihn ihre Kraft, weil er auf eine ganz andere Party eingeladen wurde, die weitaus besser und fröhlicher ist, als die Feste Ägyptens. Wer Hoffnung hat, hat keine Angst, was zu verpassen, er kann verzichten, wenn es sein muss.

2. Ja zu sagen zu schweren Wegen
Wer vertauscht schon gerne den Kutschbock mit dem Mistwagen? So richtig ausgezahlt hat sich der Wechsel Moses ins Lager der Unterdrückten doch eigentlich nicht. Nichts als Scherereien und 80 Jahre Wüste – alles in allem. Wie konnte er das schaffen? Wie konnte er durchhalten in schweren Zeiten und nicht alles hinschmeißen? Es war dieser beständige Blick nach vorn, der Blick aufs Ziel. Damit gleicht er Jesus, von dem es heißt, dass er um der vor ihm liegenden Freude willen, die Schande und das Kreuz auf sich nahm (Hebräer 12,1-3). Nur so konnte er es schaffen und nur so können auch wir durchhalten in Zeiten der Anfechtung und der Krise. Wir machen es wie Paulus, der die Leiden der Welt für nichts achtete im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden wird (Römer 8,18).

3. Die Welt zu verändern
Hoffnung ist nicht nur ein in die Ferne schauen, es ist ein sich Annähern an das Ideal oder wie es Sören Kierkegaard einmal ausdrückte: „Hoffnung ist Leidenschaft für das Mögliche“. Wer hofft ist er füllt von einer kommenden Wirklichkeit und holt sie damit schon ein Stück weit ins Hier und Jetzt. Der Glanz der kommenden Herrlichkeit wirft durch den von dieser Vision ergriffenen Menschen bereits seine Schatten ins Hier uns Jetzt. Wir warten nicht auf die kommende Stadt, wir suchen sie (Hebräer 13,14) und nähern uns damit ihr immer mehr an. Das verändert die Welt und deswegen sind wir, deswegen ist die Gemeinde, die Hoffnung der Welt ! In Moses Leben wird das deutlich. Er war so erfüllt von dieser Hoffnung, dass er sein ganzes Umfeld damit prägte. Erst überzeugte er das Volk Israel, dann überzeugte er den Pharao und schließlich „überzeugte“ er auch die Kanaaniter. Er veränderte die Welt und das kommende Reich Gottes, weil er der Hoffnung entgegenging. Mit der Einnahme Kanaans nahm die kommende Welt dann bereits schattenhaft reale Züge an.

 

Und genau das machen wir als CZD auch: wir gehen der kommenden Welt entgegen und bauen eine Gemeinde, in der der Glanz der zukünftigen Welt schon schattenhaft sichtbar wird. Das ist eine unglaublich spannende und begeisternde Aufgabe und deswegen liegen die  besten Zeiten noch vor uns !

Euer Bernhard