Die Kultur der Exzellenz

„Ich will das Beste oder nichts!“ Das Lebensmotto von Gottlieb Daimler, dem Erfinder des ersten motorisierten Zweirades (1885), des ersten 4 rädrigen Autos (1886) und zusammen mit Carl Benz dem Stammvater der Daimler-Benz AG. Mit diesem Satz, der noch heute das Motto von Mercedes ist, beschreibt er die Sehnsucht nach Exzellenz, nach Erreichen des Bestmöglichen. Nicht des Perfekten, sondern des Bestmöglichen. Bei Exzellenz geht es nicht um absolute Maßstäbe. Das Ur-Auto von 1886 würde heute keiner mehr fahren. 1 PS, geringe Reichweite und viel zu langsam. Aber es war das Beste, was damals möglich war, das Beste, was Daimler und Benz schaffen konnten. Exzellenz fragt daher nicht nach absoluten Maßstäben, sondern danach, ob jemand lässig mit seinen Gaben und Möglichkeiten umgeht oder engagiert und hingegeben. Ob jemand sein Bestes gibt.

1. Der Wert der Exzellenz
Was hat das mit einer Gemeinde zu tun, die in Gottes Willen leben möchte und einen Ort schaffen will, an dem Gott spürbar und erfahrbar wird, so wie das CZD: „Gott erleben – Menschen bewegen“? Ohne die Grundhaltung der Exzellenz werden wir dieses Ziel nicht erreichen. Diese Haltung muss zur Kultur einer ganzen Gemeinde werden, zu ihrer DNA. Es braucht eine Gemeinde, in der jeder sein Bestes gibt. Den Wert der Exzellenz unterstreicht die Bibel immer wieder.

In 1. Chronik 25,1-7 wird uns ein Lobpreisteam vorgestellt, das im Kern aus 3 Vätern und ihren Söhnen bestand, aus Asaph, Heman und Jedutun. Ihre Einsetzung und Berufung zeigt, wie wichtig damals der Wert der Exzellenz genommen wurde. Nicht die Priester wählten ein besseres Lobpreisteam, sondern der König selbst forderte es und nicht nur er. Auch die Oberste Heeresleitung bestand darauf, obwohl der Truppe dadurch 288 hoffnungsvolle junge Männer verlorengingen (V 1). Hätte man sie nicht einfach einziehen können und kurz vor Auftritten dann üben lassen? Das reichte nicht: David und die Heeresleitung wollten Exzellenz. Deshalb wählten sie die besten Musiker und setzten sie frei. Ihre Qualität und Exzellenz wird immer wieder dadurch unterstrichen, dass sie nicht nur gut spielten, sondern regelrecht prophezeiten auf ihren Instrumenten. Sie alle waren Meister (V 7), alle waren exzellent, weniger reichte nicht.

Wenn wir nach Exzellenz streben, streben wir nach etwas, das zum Wesen Gottes gehört:

– Als Gott Himmel und Erde erschaffen hatte, gab er sich selbst die Bestnote: Sehr gut (1. Mose 1,31). Nicht ok, nicht gut, sondern sehr gut, exzellent (1. Mose 1,31).
– Als Gott den Auftrag gab die Stiftshütte zu bauen, bestand er auf das Engagement der beiden besten Kunsthandwerker Israels, auf Bezalel und Oholiab (2. Mose 31,1-6).
– Als Gott die Welt rettete, gab er das Beste, was er geben konnte: das Leben seines einzigen Sohnes (Joh. 3,16).

Weil die Bibel den Wert der Exzellenz so groß schreibt, müssen wir uns verabschieden von Haltungen, die in frommen Kreisen diesem Streben oft entgegengesetzt werden. Es sind Argumente wie:

1. „Exzellenz ist nicht so wichtig, Hauptsache es kommt von Herzen.“

Ich sage: wenn etwas wirklich von Herzen kommt, dann ist es exzellent.

2. „Wir wollen keine Werkgerechtigkeit.“

Was hat Exzellenz mit Gerechtigkeit zu tun? Nichts. Wir geben nicht deswegen unser Bestes, weil wir uns davon mehr Liebe oder Anerkennung bei Gott versprechen, wir geben es nicht, um gerechter zu werden. Wir geben es aus Dankbarkeit, weil wir geliebt sind, weil wir angenommen sind und zwar ohne Vorbedingung. Wir geben nicht, damit wir etwas bekommen, sondern weil wir etwas bekommen haben. Gottes grenzenlose Liebe setzt in uns Begeisterung frei, unser Bestes ist die angemessene Antwort auf sein Kreuz und sein Leiden !

3. „Wir wollen Gott nicht im Wege stehen mit unserm Können und Planen.“

Besonders in pfingstlich-charismatischen Kreisen hat man häufig die Sorge zum Ausdruck gebracht, Planen, Üben und Vorbereiten könnten Gottes Inspiration verhindern. „Wir wollen, dass Gott zum Zuge kommt und das will er vielleicht gerade durch ein schräges Lied, einen misslungenen Beitrag.“ Ja, das kann Gott tun! Sollte das aber eine Begründung dafür sein, dass wir untätig bleiben oder mittelmässig oder schlecht vorbereitet? Exzellenz steht in keinem Widerspruch zu Gottes Inspiration. Das Streben nach Inspiration ist vielmehr eine Herausforderung für die Moderation, das Programm nicht leichtfertig oder gebetslos zu planen, sondern immer für Gottes Führung offen zu sein. Ein Argument gegen Exzellenz ist es aber gerade nicht.

2. Der Weg zur Exzellenz
Wie kommt man zu Exzellenz? Die Antwort ist schlicht und einfach: Üben ! Genau das wird uns in Vers 7 gesagt. Alle Sänger waren „geübt“, sogar so geübt, dass man sie „Meister“ nannte. Wieviele Stunden der Vorbereitung und der Weiterentwicklung werden hier investiert worden sein? Und zum „Üben“ gehörte nicht nur das Verbessern und Verwalten des Bestehenden, sondern das ständige Ausschau halten nach neuen Akkorden, nach neuen Melodien, nach neuen Ausdrucksweisen. Die Psalmen sind voll von Aufforderungen wie „Singt dem Herrn ein neues Lied“ oder davon, neue und möglichst viele Instrumente einzusetzen. König David brachte seinem Team ständig neue Texte, neue Vorschläge, über 80 Psalmen gehen auf sein Konto. Das Team hatte viel zu tun, um immer wieder Neues zu schaffen. Was heute gut ist, ist morgen schon nicht mehr das Beste. Eine inspirierende Gemeinde steht daher nie still, sondern entwickelt sich immer weiter. Exzellenz ist kein Zustand, Exzellenz ist eine Haltung, exzellente Leute sind immer in Bewegung, im Aufbruch.

Können wir so weit gehen und sagen, auch das ist ein Wesensmerkmal Gottes? Das ständige Besserwerden wollen, das ständige Suchen nach Vervollkommnung? Warum hat Gott Himmel und Erde nicht an einem einzigen Tag gemacht? Hätte er nicht mit einem Wort alles auf einmal schaffen können? Warum benötigte er sechs Tage? Nach jedem Tag fing er wieder neu an und verbesserte, ergänzte, entwickelte weiter. Gott ist ein Künstler! „Nein, hier fehlt noch was, es braucht noch Meerestiere, es braucht noch Vögel, es braucht noch Pflanzen!“ Der Schöpfungsakt ist ein Prozess, ein Verfeinern und immer besser machen. Erst als Gott die Krone der Schöpfung, den Menschen schuf, erst danach, ruhte er. Sein Meisterstück. Dieses Streben nach Vervollkommnung, nach Weiter-entwicklung ist ein Wesensmerkmal Gottes und deshalb steckt es auch im Menschen. Es ist eine Voraussetzung, um Exzellenz zu erreichen.

3. Die Wirkung von Exzellenz
Bei der Einweihung des Tempels, Jahre später, nach vielen Auftritten und Einsätzen, bei denen sie immer besser geworden waren, wird uns gezeigt, welch einen unglaublichen Impact dieses Team um Asaph, Heman und Jedutun hatte (2. Chr. 5,11-14). Ihr Dienst wird in einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Erscheinen der Herrlichkeitswolke gestellt. Als sie spielten und zwar „wie ein Mann“ und ihre Stimme war „wie eine Stimme“, da offenbarte Gott seine Herrlichkeit und die Priester konnten nicht mehr weitermachen wie zuvor. Dieses „wie ein Mann“, „wie eine Stimme“ ist eine Aussage der Qualität, der Exzellenz.

Ganz allgemein gesprochen können wir sagen, Exzellenz öffnet den Raum für Gott, bringt Himmel und Erde in Berührung und bewirkt, dass Menschen nicht mehr weitermachen können wie bisher. Zeigt uns das nur diese Stelle? Wir hatten am Samstag eine Hochzeit in der Schlosskirche Eller. Als das Duett Gareth und Jule ihre beiden Lieder sang, konnte man die Bewegung der Herzen im Raum förmlich spüren. Begleitet von Daniel sangen sie so herzergreifend, dass jeder Ehrfurcht spürte und eine Nähe Gottes. Manche Sprachforscher vermuten, das Entstehen des Jodelns deute auf eine innere Ergriffenheit angesichts der überwältigenden Schönheit der Berge hin. Eine Art Glossolalie (Zungenrede), ein Loben und Jubilieren ohne geformte Worte, Laute, die aus dem Herzen überfließen, eine Art Anbetung über die Exzellenz der Schöpfung. Ich könnte mir das vorstellen. Ich denke an Henry Nouwen, der erzählt, eine Nacht in der Eremitage von St. Petersburg verbracht zu haben. Dort saß er stundenlang vor dem beeindruckenden Rembrandtgemäde: Der verlorene Sohn kehrt zurück. Die Schönheit und Ausdruckskraft des Bildes fing für ihn an zu sprechen und danach konnte er nicht mehr so weitermachen. Er hing seinen Professorenjob in Harvard an den Nagel und zog in eine Kommunität mit Behinderten, um dort in christlicher Nächstenliebe das weiterzugeben, was er dort unter dem Bild empfangen hatte.

Exzellenz hat Wirkung, sie ruft etwas hervor, ein Staunen, eine Bewegung, ja, ein Überwältigtsein, sie öffnet der Herrlichkeit Gottes eine Tür. Und genau darum muss es gehen in der Kirche, um nicht weniger!

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