Das Gesetz von Saat und Ernte (1)

Ein grundlegendes Prinzip hat Gott in die Schöpfung gelegt, das so lange die Welt existiert Bestand haben wird. Das Gesetz von Saat und Ernte. Nach der Sintflut erklärt es Gott zur unabänderlichen Regel:

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.  1. Mose 8,22

Paulus weitet dieses Gesetz aus und bezieht es auf alle Lebensäußerungen, auf meine Taten, meine Worte, meine Wirkung auf mich selbst und mein Umfeld:

Macht euch nichts vor! Gott lässt keinen Spott mit sich treiben. Was der Mensch sät, das wird er auch ernten. Wer auf den Boden seiner selbstsüchtigen Natur sät, wird als Frucht seiner Selbstsucht das Verderben ernten. Wer dagegen auf den Boden von Gottes Geist sät, wird als Frucht des Geistes9 das ewige Leben ernten. Lasst uns daher nicht müde werden, das zu tun, was gut und richtig ist. Denn wenn wir nicht aufgeben, werden wir zu der ´von Gott` bestimmten Zeit die Ernte einbringen.                  Galater 6,7-9

Das Gesetzt von Saat und Ernte besteht aus drei Teilen, die für unser Leben von großer Bedeutung sind:

1. Wer sät, bekommt auch was zurück
2. Wer sät, bekommst multipliziert zurück, was er gesät hat
3. Wer sät, bekommt verzögert zurück, was er gesät hat

Allein aus dem ersten Teil des Gesetzes leiten sich drei entscheidende Handlungsmaximen und Fragen ab:

1. Das, was ich bekommen will, muss ich konkret und gezielt anstreben und dafür etwas tun

Wenn ich meinen Partner glücklich machen will und selbst in einer erfüllten Beziehung leben möchte, dann kommt ganz viel darauf an, dass ich die richtigen Signale sende und die richtigen Investitionen tätige. Es ist erstaunlich, wie schwer das werden kann, obwohl es so einfach klingt. Es fängt schon dabei an, dass ich mit meiner Zeit richtig umgehe und genug davon in eine gelingende Zweierschaft einbringe. Eine Zeitinvestition in die Beziehung kann richtig teuer sein, weil ich an anderer Stelle Nein sagen muss: weniger Überstunden, das Risiko langsamer oder gar nicht befördert zu werden, weniger Verdienst. Es braucht Konsequenz und Entschiedenheit. Ja, richtig, es kommt auf Qualitätszeit an, nicht unbedingt auf die Quantität. Aber auch das hat Grenzen. Eine Investition in die Beziehung kann aber auch in anderer Weise etwas kosten: Geschenke kosten Geld und, für Männer noch schlimmer: es braucht Einfallsreichtum und Ideen. Und auch hier gilt: viele kleine Geschenke im Verlauf des Lebens sind oft besser als das eine große Geschenk zum Geburtstag. Eine Investition in die Beziehung kann auch Konflikte hervorrufen und kostet in dieser Weise Humankapital. Ich enttäusche andere, weil ich ihnen eine Absage geben muss, weil ich nicht verfügbar bin, weil ich meine Verabredung einhalten will. Etwa das Fußballspiel des Sohnes oder der Kindergeburtstag, der Besuch bei den Eltern …
Säen ist oft schwerer als man denkt, weil das Leben oft unserer ganze Aufmerksamkeit, Kraft und Energie fordert. Wer aber seine gesamte Energie, Kraft und Liebesfähigkeit bereits woanders verbraucht hat, kann am Ende an entscheidender Stelle nichts mehr geben. Der Tank ist dann leer. Ein Grund für verheerende Hungersnöte ist die Tatsache, dass Menschen in der Not ihr Saatgut fürs nächste Jahr antasten und verspeisen. Das Leben ist so hart, dass man an die letzten Reserven geht und dann bleibt nichts mehr für die Investition in die Zukunft, für die Investition ins Glück. Vermeide es also immer auf 100 % zu fahren, spare dir Zeit, Energie, Liebesfähigkeit und Finanzkraft auf, damit du Saatgut hast und dieses für den Bau der Zukunft einsetzt. Wenn du nicht säst, wirst du nichts empfangen.

2. Meine Aussaat allein ist noch keine Garantie, dass die gewünschte Ernte kommt
Wir sprechen hier zwar über ein Gesetz, aber es funktioniert nicht immer von alleine. Es gibt eine Menge an Störfaktoren, die meine Ernte zunichte machen können: Unwetter, Überflutungen, eine Dürre, Kriegseinwirkungen, Wirtschaftskrisen, ich kann krank werden … Es geht nicht um eine Selbsterlösungsstrategie a la Josef Murphy. In der DDR war in den 50er Jahren der Slogan beliebt: „Ohne Gott und Sonnenschein holen wir die Ernte ein.“ Wo das geendet hat, haben wir gesehen. Zwar wurden natürlich Erfolge eingefahren, aber insgesamt war und ist es eben ein Trugschluss zu denken, dass wir nur auf die richtigen Knöpfe drücken müßten und dann stellt sich die Ernte von ganz alleine ein. Wie viele tolle junge Leute haben noch keinen Partner gefunden, obwohl sie definitiv attraktiv und cool drauf sind. Signale senden alleine ist noch keine Gewähr, dass sich zwei Menschen finden. Wieviele junge Leute aus Südeuropa sind gut ausgebildet, geben Gas und sind gut aufgestellt, aber in ihren Ländern herrscht wegen der Eurokrise eine Jugendarbeitslosigkeit von 25, 30 oder gar 40 %. Das sind Faktoren, die sie nicht beeinflussen können. Man kann alles richtig machen und kommt doch nicht am Ziel an. Das macht klar: Es braucht mehr als das, es braucht Gunst bei Gott und Menschen. An Gottes Segen ist alles gelegen. Deswegen ist es so wichtig zu beten, mit Gott unterwegs zu sein, seine Verheißungen zu kennen und mit seiner Gnade zu rechnen. Um gelassen zu bleiben und zuversichtlich. Um dem Machbarkeitswahn zu entkommen.

3. Wie krieg ich das Unkraut raus?
Das Gesetz von Saat und Ernte hat aber auch noch eine andere Kehrseite: Was passiert eigentlich mit dem Unkraut, das ich Tag für Tag säe? Niemand von uns sät ja nur guten Samen. Der andere geht ebenso unweigerlich auf. Auch meine böse, meine schlechte Saat hat Konsequenzen. Wie werde ich damit fertig? Und gibt es jemand, der das Unkraut meines Lebens entsorgen kann? Ich denke an den 18 Jährigen, der mit frischem Führerschein über den Brenner raste und in ein anderes Auto krachte. Er überlebte, aber sein 17 jähriger Freund auf dem Beifahrersitz bezahlte mit dem Leben. Wie kommt man mit so einer Hypothek klar? Ich denke an den Mann, dessen Frau sich von ihm trennt und ihm vorwirft: „Zu viel schlechte Worte, zu viel Gleichgültigkeit, zu viel Enttäuschungen. Ich kann nicht mehr.“ Und du weißt genau: Sie hat Recht. „Ach hätte ich doch …“, aber das Unkraut ist gesät, es ist aufgegangen, es hat die Liebe erstickt. Es ist zu spät. Wie werde ich damit fertig? Da ist die Mutter, die überfordert ist mit ihren drei lauten und lebhaften Kindern. Sie schreit sie immer wieder an und gibt statt Liebe und Verständnis Druck und Verbote. Sie will es nicht, aber sie schafft es einfach nicht anders. Sie sieht, wie das Unkraut seine Spuren in den Seelen hinterläßt, aber sie kann es nicht verhindern. Paulus ruft angesichts dieser Beobachtung verzweifelt:

Ich stelle also folgende Gesetzmäßigkeit bei mir fest: So sehr ich das Richtige tun will – was bei mir zustande kommt, ist das Böse. Zwar stimme ich meiner innersten Überzeugung nach dem Gesetz Gottes mit Freude zu, doch in meinem Handeln sehe ich ein anderes Gesetz am Werk. Es steht im Kampf mit dem Gesetz, dem ich innerlich zustimme, und macht mich zu seinem Gefangenen. Darum stehe ich nun unter dem Gesetz der Sünde, und mein Handeln wird von diesem Gesetz bestimmt. Ich unglückseliger Mensch! Mein ganzes Dasein ist dem Tod verfallen. Wird mich denn niemand aus diesem elenden Zustand befreien?      Römer 7,21-24

Gott sei Dank, doch! Es kann uns jemand befreien von dem Schaden unseres Unkrauts. Das bezeugt Paulus dann in Vers 25. Es kann jemand Frieden schaffen, es kann jemand Seelen heilen, es kann jemand schlechte Gewohnheiten brechen. Und vor allen Dingen: es kann jemand die Schuld sühnen, aus der Welt schaffen, nicht nur zudecken. Das ist die Botschaft vom Kreuz. Auch das Gesetz von Saat und Ernte kann zum Fluch werden, aber selbst diesen Fluch hat Christus für uns auf sich genommen und getragen, weggetragen:

„Christus hat uns erlöst von dem Fluch des Gesetzes, in dem er für uns ein Fluch geworden ist …, auf daß der Segen Abrahams unter die Heiden (also zu allen Menschen) käme.           Galater 3/13+14

Wenn wir diese Aspekte zusammenfassen, kommen wir zu dem Ergebnis:

1. Ich kann mein Leben verändern, meine Ehe schön machen, meine Kinder glücklich: wenn ich anfange den richtigen Samen zu säen und an der richtigen Stelle investiere.
2. Bei aller Notwendigkeit zu säen, weiß ich um die Notwendigkeit von unverfügbaren und unverdienten Fügungen, die Gott alleine schenken kann. Das bewahrt mich vor dem Machbarkeitswahn und führt in innere Gelassenheit.
3. Das Unkraut meines Lebens braucht ein Gegenmittel, sonst überwuchert es mich und mein Umfeld. Früher oder später. Ich brauche mehr als glückliche Fügungen, ich brauche Vergebung, ich brauche Heilung, ich brauche Gnade.

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