DAFÜR – Mein Herz für sein Haus … weil es mein zu Hause ist

Nicht nur was, sondern vor allem auch wofür
Die wichtigste Entdeckung im Leben ist nicht nur zu was ich berufen bin, was ich gut kann, was mir Freude bereitet, was meinen Gaben und Talenten entspricht. Das ist in der Tat eine der ganz großen Geschenke der heutigen Zeit, dass danach gefragt wird, dass ich das herausfinden kann. Wieviel mehr Freude macht das Leben, wenn ich Dinge tun darf und mich auf Bereiche konzentrieren kann, die mir liegen, die mir entsprechen. Was für ein unschätzbarer Zugewinn in der Entwicklung unserer Gesellschaft. Frühere Generationen konnten davon nur träumen. Und doch geht es im letzten nicht darum, zu was ich berufen bin, welche Tätigkeiten mir entsprechen. Viel wichtiger ist die Frage wofür ich all das einsetzen soll, welchem Ziel das dient, was ich unverdienter Weise empfangen habe. Auf diese Frage geht Jesus ein, als er von Pilatus gefragt wurde, ob er wirklich ein König sei.
Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll (Joh.18, 37)
Jesus betont beides: Ja, ich bin zum König berufen. Das ist meine Aufgabe, das entspricht meinen Anlagen und meiner Berufung. Viel wichtiger ist aber der zweite Satz, der klar macht wofür das gut sein soll. „Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll.“ Und genau das ist auch deine Bestimmung. Egal, was du für Schwerpunkte setzt, egal, welche Aufgaben, Berufe und Positionen dein Leben bestimmen, entscheidend ist, für was das alles gut sein soll und wem das am Ende dient. Du bist dafür berufen, Zeugnis für die Wahrheit abzulegen. Jeder Mensch hat die gleiche Bestimmung, ein Leben zur Ehre Gottes zu führen, denn die Schöpfung, das Universum ist auf Gott ausgerichtet. Alles soll ihn verherrlichen.

Sei für etwas, denn dagegen sein ist leicht, aber für etwas zu sein, ist eine Haltung, die die Welt verändern kann. Für was willst du leben? Auf was soll alles ausgerichtet sein, was du tust? Wem soll das alles dienen und zu Gute kommen? Das ist die entscheidende Frage. Und die Antwort ist: Um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen, um Gott zu bekennen und zu verherrlichen.

Deshalb bin ich für das Haus Gottes, deshalb baue ich es mit all meinen Kräften. Das kommt nicht irgendwo am Ende des Lebens- und meiner Zeitkette, es steht am Anfang. Von vornherein ist klar, auf was mein Leben ausgerichtet ist: DAFÜR – für Gottes Ehre, für sein Haus !

2. Mein Herz für sein Haus – weil es mein zu Hause ist
Warum ist das Haus Gottes so einzigartig? Warum ist es das wert, dass ich meine Kraft und Leidenschaft dahinein investiere? Weil die Kirche, die real existierende Gemeinde vor Ort, die Berufung hat, ein zu Hause anzubieten, ein Ort zu sein, an dem Menschen ihre tiefste Verwurzelung finden. Warum ist das so wichtig?
Die tiefste Sehnsucht des Menschen ist nach Hause zu kommen, zu wissen, wer man ist, wo man hingehört. Eine Sendung im DLF behandelte kürzlich die Identitätsproblematik von jungen Türken. Alle sprechen super deutsch, sind hier geboren und leben wie jeder andere in unseren Großstädten. Aber eine Sache zerreißt sie immer wieder: wenn sie in die Türkei fahren, dann sind sie dort die „Deutschen“. Und tatsächlich. Dort wird ihnen wie nirgendwo sonst bewußt, wie deutsch sie eigentlich sind. Im Ausland wird man bekanntermaßen am ehesten zum Patrioten. Aber zurück in Deutschland sind sie hier die „Türken“. Schon der Name, Aisha, Ali oder Mehmet führt dazu, dass sie unwillkürlich in eine Schublade geraten. Was sind sie jetzt? „Ach, ist doch nicht so wichtig, Hauptsache sie sind feine Kerle und nette Leute“, könnte man schnell sagen – und würde damit deutlich machen, dass man gar nicht verstanden hat, wie ernstzunehmend diese Zerrissenheit ist. Das ist ein übles Gefühl, so hin- und hergerissen zu sein. Und so geht es ja nicht nur Deutsch-Türken, auch viele andere kämpfen mit der Frage, wer sie eigentlich sind, wo eigentlich ihr zu Hause ist, wo eigentlich der Ort ist, an dem sie wirklich verwurzelt sind. Wie viele kommen aus zerbrochenen Familien, aus Patchwork-Familien oder aus schwierigen Elternhäusern, die nicht in der Lage waren Wärme, Zuwendung und Halt zu geben. Die tiefste Sehnsucht der Menschen ist die Klärung der Frage der eigenen Identität – und damit seinen Frieden zu machen, sich selbst annehmen zu können, in sich zu ruhen. Und das ist nicht nur eine Frage eigener Willensanstrengung, sondern ganz besonders auch eine Frage der Zugehörigkeit.
An dieser Stelle berühren wir den Kern des Auftrages der christlichen Gemeinde. Wir sprechen gerne von Brüdern und Schwestern, wenn wir über andere Gemeindeglieder sprechen. Ist uns eigentlich das Außergewöhnliche dieser Wortwahl bewusst? Jesus selbst hat diese Bezeichnung eingeführt, als er bei einem Predigtdienst in einem überfüllten Haus die Nachricht bekam, dass seine Mutter und seine Brüder draußen vor der Tür ständen :

Er antwortete aber und sprach zu dem, der es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er streckte die Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer den Willen tut meines Vaters im Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter (Mt. 12,48-50).

Was für eine Aussage. Jesus macht hier klar, dass es ein zu Hause gibt, das noch stärker identitätsstiftend ist, als die Herkunft. Und das ist das gemeinsame Ziel. Wenn wir Menschen treffen, die, wie wir, auf dem Wege zu Gottes neuer Welt sind, dann erkennen wir plötzlich: wir haben ja einen gemeinsamen Vater. Wir sind ja Verwandte. Geistesverwandte. Und die Verbundenheit, die dabei entsteht ist keine, die sich auf langjährige Kenntnis des anderen gründet, sondern auf einem affektiven und instinktiven Zusammengehörigkeitsgefühl. Als Gott die ersten Menschen schuf, sehen wir das gleiche Muster. Nachdem Adam eine zeitlang „Single“ gewesen war, spürte er immer deutlicher eine tiefe Leere in sich. Er hatte kein zu Hause, weil es keine anderen Menschen gab. Da schuf Gott aus seiner Rippe die erste Frau, Eva. Als er sie sieht, flippt er aus. Warum? Wegen den tollen Kurven, wegen den langen Haaren, wegen den geheimnisvollen Augen? Immerhin, die erste Frau, der Prototyp schlechthin. Das dürfte schon eine überaus schöne Frau gewesen sein. Aber das ist es nicht, warum er jubelt. Er ruft: „Das ist ja Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch“, mit anderen Worten. Die ist ja wie ich, die passt zu mir, endlich bin ich nicht mehr allein, endlich habe ich ein zu Hause, ein Gegenüber, die passende Ergänzung. Und genauso ist es, wenn wir Menschen finden, die vom gleichen Heiligen Geist erfüllt sind und den gleichen Vater im Himmel lieben. „Das ist ja Geist von meinem Geist, das ist ja meine Liebe, meine Leidenschaft, das ist ja meine Hoffnung.“ Das verbindet auf geheimnisvolle Weise.
Und genau darum geht es, wenn wir Jesus richtig verstehen. Er führt den Begriff „Vater“ als normale Ansprache für Gott ein. Und das ist Programm. Denn, wer zu Gott kommt, kommt nach Hause. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15) treibt Jesus das auf die Spitze. Dem, der sich losgerissen hat von Gott und am Ende einsam, verloren, heimatlos und innerlich leer bei den Schweinen landet, wird nicht einfach vergeben, er wird wieder aufgenommen als Sohn – Welcome Home. Der Vater wartet auf ihn, er umarmt ihn, er gibt ihm seine Identität zurück. Und genau darum geht es bei Gemeinde. Wir sind dazu berufen einen Ort zu schaffen, wo Menschen ihr zu Hause finden, Heimat, Verwurzelung, Annahme. Endlich bin ich angekommen.

Ich gebe mein Leben und mein Herz für das Haus Gottes, weil es mein zu Hause ist, weil es das zu Hause für jeden Menschen ist, weil es in der Lage ist, die Zerrissenheit unserer Herzen zu heilen. Eine Begrüßung über der Kirchentür mit dem Satz „Welcome Home“ ist daher nicht nur modern und cool, sie ist absolut biblisch. Dieser Satz beschreibt, zu was Gemeinde berufen ist. Und ich finde, dafür lohnt es sich alles zu geben. Mein Herz für sein Haus, denn es ist mein zu Hause. Ich bin DAFÜR !

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DAFÜR (Teil 1)

Dagegen sein ist einfach, aber für etwas zu sein ist eine Haltung, die die Welt verändern kann!

Was für eine starke Aussage! Und was für eine Herausforderung. Wenn Energie insbesondere da freigesetzt wird, wo Menschen sich ganz klar FÜR etwas entscheiden, für etwas engagieren, für einen Traum leben, dann stellt sich die Frage, was das mit uns zu tun hat? Es stellt sich die Frage, ob es überhaupt etwas gibt, von dem ich sagen kann: Ich bin DAFÜR – und zwar richtig, ich brenne darauf. Die zweite Frage schließt sich an: Ist das WOFÜR es überhaupt wert? Brenne ich für das Wesentliche? Und die dritte Frage ist: WOFÜR brennt Gott?

I. „Die Freiheit und das Himmelreich gewinnen keine Halben.“ Ernst Moritz Arndt
Fest steht, dass es Menschen waren, die für etwas gebrannt haben, die die Welt verändert haben. Ich denke an Mediziner, die mit allen Fasern ihres Wesens nach dem entscheidenden Impfstoff gesucht haben, nach dem heilenden Wirkstoff, nach der rettenden Therapie. Ich denke an Physiker, Naturwissenschaftler und Ingenieure, die den Ehrgeiz hatten, Außergewöhnliches zu leisten, um die Menschheit voran zu bringen. In einer Mercedes Benz Werbung wird Gottlieb Daimler gezeigt, wie er nachts über seinem Schreibtisch einschläft und dann von seinem Dienstmädchen am Morgen geweckt wird: „Herr Daimler, sie schaffet zu viel“. „Meinen sie? Aber ich will einfach nur das Beste, das Beste oder nichts.“ Was für eine Leidenschaft.

Was treibt dich an? Was lässt dich nicht ruhen? Was bewegt dich und bringt dich aus dem Sessel?

II. „Für den großen Lohn ist die Aufgabe nicht groß genug“ Chinamissionar
Es ist anzunehmen, dass bei der ersten Frage viele, wenn sie ehrlich sind, schon aussteigen müßten. Könnte es sein, dass es nicht wirklich etwas gibt, WOFÜR du bist, im Sinne einer Leidenschaft, die dein Leben beherrscht? Falls doch, was ist es, das dich so zu inspirieren und anzutreiben vermag? Und ist es ein derartiges Engagement wert?
Stell dir vor du liegst mit 90 zufrieden und lebenssatt in deinem Bett und weißt, es geht die nächsten Tage zu Ende. Du denkst über dein Leben nach, deine Erfolge, die Schlüsselmomente, die Höhepunkte, aber auch über das, was du versäumt hast, was zu kurz gekommen ist. Meinst du im Ernst, du würdest dich dann grämen und sagen: Ach, hätte ich doch mehr geputzt, hätte ich doch mein Auto noch besser poliert, ach, hätte ich doch nur länger und öfter im Garten gelegen und mich gesonnt? Hätte ich doch nur mehr Briefmarken gesammelt, noch größere Fische gefangen, noch stärkere Motorräder gefahren. Ich glaube kaum, dass dir das den Verstand rauben würde. Aber wie wäre es, wenn es dir ginge wie Oskar Schindler, der im Krieg 1.200 Juden rettete, indem er sie den Nazis abkaufte, sie als kriegsentscheidend bezeichnete und in seiner Fabrik anstellte und sie somit aus dem Ghetto holte und vor dem KZ bewahrte. Als der Krieg zu Ende ging und die Russen kurz vor den Toren der Stadt standen, war es Zeit für Oskar Schindler das Weite zu suchen. Zum Abschied versammelten sich alle seine Juden noch einmal und schenkten ihm einen goldenen Ring. Gemacht aus dem Zahngold der Juden, die im KZ vergast worden waren und denen man die Goldzähne gezogen hatte. Auf dem Ring war der Satz eingraviert: „Wer einen Menschen rettet, rettet die ganze Welt“. Und dann fing Schindler an, bitterlich zu weinen: „Ach, hätte ich doch nur auch noch mein Auto gegeben – wieder 5 Leben mehr. Ach, hätte ich doch auch nur noch meinen Mantel gegeben, wieder zwei Leben mehr. Ach, hätte ich doch nur …“

FÜR etwas zu sein, reicht nicht aus, die Frage ist, für was bin ich? Ist es das wert? Ein junger Ingenieur, der einen Ruf in die Mission hatte, kündigte seine gute Stelle. Der Chef war entsetzt und bot ihm das doppelte Gehalt und die Leitung eines großartigen Projektes im Ausland, aber der Mann blieb fest und antwortete: Für den großen Lohn, ist die Aufgabe nicht groß genug“. Dann ging er und reiste nach China, um dort das Evangelium zu verkündigen. Für einen Bruchteil seines vorherigen Gehaltes. Was ist es wert, dass ich DAFÜR bin?

III. Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt (Johannes 2,17)
Gott zeigt uns, wofür es sich lohnt zu leben, denn Gott selbst hat eine Entscheidung getroffen. Er hat den Himmel verlassen, weil er für etwas ist. Er ist für dich! So sehr, dass er sich dafür demütigte und klein machte. So sehr, dass er für dich am Kreuz starb und seine Macht nicht einsetzte, um sich selbst zu retten. So sehr schlägt sein Herz für dich, für Menschen, ohne Heil (Joh. 3,16).

Sollte das nicht im Zentrum unseres Strebens stehen? Menschen?! Ihr Schicksal, ihr Heil, ihre Zukunft?! Was ist dann der nächste Schritt? FÜR was sollte mein Herz in Brand gesetzt werden? Für die Rettungsanstalt, die Gott selbst gegründet und eingesetzt hat: Für sein Haus! Als Jesus nach Beginn seines Dienstes zum ersten Mal in den Tempel kam, da packte ihn der Eifer so sehr, dass er alle Geldwechsler, Taubenverkäufer und Händler mit einer Peitsche aus dem Tempel jagte. „Ihr habt dieses Haus zu einem Kaufhaus gemacht“, das darf nicht sein! Nirgendwo sonst lesen wir etwas über derart raue Methoden von Jesus. In dieser einzigartigen Szene wird deutlich, wofür sein Herz besonders schlug – für das Haus Gottes. Für die Gemeinde, für die Herberge zur Glückseligkeit (Lukas 10,34), für die Arche, die uns durch jeden Sturm trägt, für die Säule und Grundfeste der Wahrheit (1. Tim. 3,15). Im Haus Gottes, in der Gemeinde bündelt sich die Liebe Gottes, denn die Gemeinde hat nicht nur die Botschaft, sie ist die Botschaft! Das macht sie so besonders.
Die Ortsgemeinde ist die Hoffnung der Welt (Bill Hybels). Deswegen ist es so entscheidend, mit allen Kräften diese Gemeinde Gottes zu bauen als Oase des Himmels in dieser Welt. Deswegen ruft uns Psalm 92,14-15 zu:

„Die gepflanzt sind im Haus des HERRN, werden blühen in den Vorhöfen unseres Gottes. Selbst in hohem Alter sprießen sie noch, sie stehen in vollem Saft und haben immer grüne Blätter.“

Das Schlüsselwort ist „pflanzen“. Hier schlage ich Wurzeln. Hier zieht ich meine Kraft und Energie, hier ist der Ort, an den mich Gott gestellt hat. Hier mache ich fest, diesen Ort mache ich zum Zentrum meines Strebens. Das hat Konsequenzen für die Art, wie ich mit meiner Zeit umgehe, Konsequenzen, wie ich mit meinem Geld umgehe, Konsequenzen, welche Prioritäten ich setze. Sei DAFÜR, sei FÜR Gottes Haus, lass dir den Eifer dafür schenken, den Jesus dafür hatte. Dafür lohnt es sich zu leben!