Eine Willkommenskultur leben

„Die Welt zu Gast bei Freunden“, das geniale Motto der Fußball WM 2006 in Deutschland, die zum Sommermärchen wurde. Dieses sportliche Großevent, das mit den vielfältigen Public Viewing Möglichkeiten, dem unbedrohlich-fröhlichen Fahnen-Patriotismus und dem Dauersonnschein hat wie kaum ein anderes Ereignis der letzten Jahrzehnte das Image Deutschlands in der Welt gründlich verändert. Zum Positiven. Deutschland hat sich als weltoffenes Land präsentiert, das positiv auf Gäste und Sporttouristen zugeht, ausgelassen feiert und eine Riesenstimmung machen kann. Das war gelebte Willkommenskultur auf Zeit und hat die Welt verblüfft.
Das ist es, was wir brauchen als Kirche. Einen echten Imagewechsel. Kirche muss dafür bekannt sein, ein Ort des Willkommens zu sein, der Aufmerksamkeit, des echten Interesses an Gästen und Besuchern.

Johannes Reimer weist in seinem lesenwerten Buch „Hereinspaziert“ darauf hin, das dieser Aspekt in fast keinem Buch über Gemeindebau und Gemeindewachstum näher beleuchtet wird. Vielmehr beklagt er eine unterentwickelte Sensibilität an dieser Stelle, ein zu starkes auf sich selbst konzentriert sein. Damit drohen sie der eigentlichen Berufung, ihrem eigentlichen Wesen entfremdet zu werden:
„Gemeinden, die Mühe haben ihre Lebensräume für die Fremden zu öffnen, sind in der Regel ihrem eigenen Wesen entfremdet. Je näher sie dem biblischen Ideal von der Gemeinde kommen, desto deutlicher werden sie sich dem Fremden öffnen. Je klarer die Gemeinde ihren Auftrag in der Welt sieht, desto stärker wird sie ihre Türen dem Fremden öffnen.“
Wie stark unsere herkömmliche Gäste- und Willkommenskultur gegenüber dem biblischen Ideal der Gastfreundschaft abfällt, wird am Beispiel Abrahams deutlich (1.Mose 18,1-5). Er bekommt Besuch von drei Männern. Eigentlich sind sie noch gar nicht seine Besucher, sondern stehen einfach nur am Weg und schauen zu seinem Zelt. Also Wanderer, die auch vorbeiziehen könnten. Aber Abraham springt auf, rennt ihnen entgegen und bittet sie hereinzukommen. Dann wäscht er ihnen die Füße und macht ihnen ein tolles Essen. Dass es sich bei den drei Männern um Engel handelte, begriff er erst viel später, so wie Josua (Josua 5), Simsons Eltern (Richter 13) oder Gideon (Richter 6). Was würden wir dagegen tun, wenn drei wildfremde Männer bei uns vor dem Haus stehen würden und sich da herumdrückten. Der erste Gedanke wäre vielleicht der, die Polizei zu rufen, aber sie hereinbitte und ihnen ein Essen vorsetzen?
Warum ist eine Willkommenskultur für uns als Gemeinde, für die Kirche so wichtig?

In deutschen Großstädten sind etwa 40 % aller Haushalte Einpersonen-Haushalte. Wie viele von den Menschen, die hier wohnen, sind einsam und haben kaum Kontakte, geschweige denn Freunde, einen festen Bezugskreis? Klar man kann auf eine Ü 30 Party gehen, aber ganz alleine? Und dann wird man da vielleicht nur angemacht. Als ich im Mai in meine Wohnung in Düsseldorf einzog, habe ich gleich einen Brief an die Mitbewohner geschrieben, mit Bild von mir drauf, in dem ich mich vorstellte und meine Hilfe anbot, wenn jemand mich brauchen sollte. Es wohnen etwa 10 Parteien im Haus, aber die Reaktion war Null. Kein einziger ging irgendwie darauf ein, bot einen Kaffee an oder grüßte auch nur interessiert im Treppenhaus, wenn sie mich sahen. Wie willst du da in Kontakt mit anderen kommen? Es braucht Orte, wo man hingehen kann, weil man weiss: hier treffe ich coole Leute, die mich aufnehmen in ihr Beziehungsnetz, die sich für mich interessieren. Und so ein Ort muss die Kirche sein. Dafür muss sie bekannt sein.

Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukas 10) spricht Jesus über einen Mann, der einen Überfallenen aufsammelt, ihn verarztet und dann in eine Herberge bringt. Hier gibt er ihn ab, damit sich jemand um ihn kümmert. Bezahlen tut der Samariter. Seit Augustinus Zeiten (354-430 n.Chr.) hat man den Samariter gerne als Allegorie auf Jesus gedeutet und die Herberge als die Kirche Gottes auf Erden. Wo soll Gott denn die Menschen hinbringen, die er auf seiner Suche nach den verlorenen Söhnen und Töchtern findet? Wo sollen die Einsamen hin, wo die Fremden, wo die, die sich nicht zurecht finden? Die Gemeinde ist Gottes Herberge, die Herberge zur Glückseligkeit. Und deshalb muss sie eine ausgeprägte und engagierte Willkommenskultur leben, denn die Ortsgemeinde ist die Hoffnung der Welt. Deswegen finden wir so viele Hinweise und Appelle im NT, dass die Gemeinde Gastfreundschaft leben soll (Römer 12,13, Hebr. 13,2 u.a.), deswegen ist eines der Kriterien für Älteste die Bereitschaft Gastfreundschaft zu praktizieren, ein offenes Haus zu haben (1. Tim. 3,2, Titus 1,5-9).
Was heißt das konkret: eine Willkommenskultur leben?

1. Der Gäste- und Willkommensdienst muss gestärkt werden
Das beginnt zunächst bei ganz einfachen, technischen Dingen wie besserer Beschilderung auf der Strasse und am Haus, damit Gäste den Weg leicht und bequem finden. Als nächstes müssen die besten Parkplätze rund ums Haus für Gäste reserviert werden. Der Gottesdienst beginnt auf dem Parkplatz. Helfer sollten leicht erkennbar sein und an der Tür zur Strasse sollten die ersten Begrüßer stehen. Im Inneren dann weitere, die Neuen helfen sich im Haus zurechtzufinden. Man kann Erfrischungen anbieten, eine Willkommenslounge einrichten und im Anschluss an den Gottesdienst helfen, damit Neue auch das Angebot kennenlernen, in das sie sich einklinken können, wenn sie wollen. Dafür braucht eine Gemeinde mehr Mitarbeiter, aber wir müssen erkennen, dass es hier um eine Kernkompetenz der Gemeinde geht. Denken wir an Abraham, der aufsprang und den Fremden entgegenlief und alles tat, damit sie sich wohlfühlen. Das bildet Gottes Wesen ab, das sollte uns Maßstab sein.
2. Die ganze Gemeinde muss in eine Willkommenskultur finden
Wenn eine Gemeinde ihren Begrüßungsdienst stärkt, heißt das noch lange nicht, dass sie insgesamt von einer Willkommenskultur geprägt ist. Wie schnell kann man sich entspannen und zurücklehnen und sagen: Gäste willkommen heißen ist ja nicht mein Dienst, dafür haben wir ja ein Team. Das ist zwar richtig, aber manche Dinge kann man nicht komplett delegieren. Denn, wenn nur der Begrüßungsdienst besser funktioniert, aber die Gemeinde als Ganzes davon nicht wirklich berührt und verändert wird, spürt das auch ein Gast. Es geht um mehr. Es geht darum, dass jeder in der Gemeinde den Sonntagsgottesdienst als seine „Party“ ansieht. Wenn du irgendwo eingeladen bist und Leute stehen gelangweilt herum, wird dir das wahrscheinlich nicht viel ausmachen, wenn du selbst eine gute Zeit hast. Es ist ja nicht deine Party, du bist dafür ja nicht verantwortlich. Wenn aber du selbst die Party gibst und alle, die da sind eingeladen hast, dann gehst du von einem zum anderen und schaust, dass jeder Spaß hat und niemand alleine rumsteht, es ist eben deine Party. Und so sollten wir auch den Gottesdienst sehen. Wir als Gemeindefamilie erwarten zusammen unsere Gäste, es sind unsere Gäste, es sind meine Gäste. Das beginnt ganz tief im Herzen. Das ist eine Frage der Haltung, der Kultur. Was heißt das praktisch?
1. Ich öffne meine Kontaktflächen für andere
Einer der Gründe, warum man in eine Gemeinde geht sind die Sozialkontakte. Man freut sich auf Freunde, gute Gespräche, man verabredet sich hier, Kinder finden zusammen. Und dann geht man zielgenau auf seinen engeren Bekanntenkreis zu, man sitzt zusammen im Gottesdienst oder spätestens im Cafe danach. Ja, manchmal ist man auch ein bißchen eifersüchtig, wenn andere die eigenen Bezugspersonen in Beschlag nehmen. Jeder kommt also mit eigenen Bedürfnissen und Erwartungen. Das ist gut so. Das ist ein wichtiger Teil der Gemeindewirklichkeit. Der nächste Schritt zu einer Willkommenskultur besteht nun nicht darin, seine eigenen Kontakte ab sofort zu vernachlässigen und sich nur noch Gästen zuzuwenden. Er besteht darin, neue Besucher und Gäste mit hineinzunehmen in mein soziales Netzwerk, es zu öffnen, mein Glück und meine Kontakte zu teilen. Inklusiv statt exklusiv zu denken. Wenn wir eine Willkommenskultur leben wollen, können wir den Begrüßungsdienst nicht wirklich delegieren, wir alle sollten diese Kultur der Offenheit leben.
2. Ich will ein Segen sein
Jesus hatte eine völlig andere Einsicht als seine Jünger, wenn er über die Menschenmengen nachdachte. Er erkannte, dass sie verschmachtet waren, hungrig, bedürftig (Mt. 9,35-38). Diesen Blick braucht es, diese Bereitschaft, hinter die Fassade sehen zu können. Was für eine Menge an Fragen, Nöten, Bedürfnissen und Hoffnungen kämen zusammen, würden sie alle transparent werden in einer Gemeinde. Vieles bleibt jedoch verborgen. Von Jesus können wir lernen, dass er diese Aspekte seines Gegenübers kannte und erkannte. Denken wir nur an das Gespräch mit der Frau am Jakobsbrunnen. Was war sie beschenkt und berührt als sie in ihren Ort zurückkam und berichtete: Er hat mir alles gesagt, er wird doch nicht der Messias sein (Joh. 4)? Stell dir vor, Gottesdienst ist so ein Ort, wo Menschen spüren: andere interessieren sich für mich, sie haben das richtige Wort der Ermutigung, des Trostes, des Willkommens. Komm in den Gottesdienst mit dieser Haltung und Bitte, insbesondere in Bezug auf Gäste und Besucher: was kann ich ihnen sagen? Welche Geste des Willkommens kann ich schenken? In einem Wort zusammengefasst: Komm nicht nur, um zu empfangen, komm, um zu geben, komm, um ein Segen zu sein.

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Die Kultur der Exzellenz

„Ich will das Beste oder nichts!“ Das Lebensmotto von Gottlieb Daimler, dem Erfinder des ersten motorisierten Zweirades (1885), des ersten 4 rädrigen Autos (1886) und zusammen mit Carl Benz dem Stammvater der Daimler-Benz AG. Mit diesem Satz, der noch heute das Motto von Mercedes ist, beschreibt er die Sehnsucht nach Exzellenz, nach Erreichen des Bestmöglichen. Nicht des Perfekten, sondern des Bestmöglichen. Bei Exzellenz geht es nicht um absolute Maßstäbe. Das Ur-Auto von 1886 würde heute keiner mehr fahren. 1 PS, geringe Reichweite und viel zu langsam. Aber es war das Beste, was damals möglich war, das Beste, was Daimler und Benz schaffen konnten. Exzellenz fragt daher nicht nach absoluten Maßstäben, sondern danach, ob jemand lässig mit seinen Gaben und Möglichkeiten umgeht oder engagiert und hingegeben. Ob jemand sein Bestes gibt.

1. Der Wert der Exzellenz
Was hat das mit einer Gemeinde zu tun, die in Gottes Willen leben möchte und einen Ort schaffen will, an dem Gott spürbar und erfahrbar wird, so wie das CZD: „Gott erleben – Menschen bewegen“? Ohne die Grundhaltung der Exzellenz werden wir dieses Ziel nicht erreichen. Diese Haltung muss zur Kultur einer ganzen Gemeinde werden, zu ihrer DNA. Es braucht eine Gemeinde, in der jeder sein Bestes gibt. Den Wert der Exzellenz unterstreicht die Bibel immer wieder.

In 1. Chronik 25,1-7 wird uns ein Lobpreisteam vorgestellt, das im Kern aus 3 Vätern und ihren Söhnen bestand, aus Asaph, Heman und Jedutun. Ihre Einsetzung und Berufung zeigt, wie wichtig damals der Wert der Exzellenz genommen wurde. Nicht die Priester wählten ein besseres Lobpreisteam, sondern der König selbst forderte es und nicht nur er. Auch die Oberste Heeresleitung bestand darauf, obwohl der Truppe dadurch 288 hoffnungsvolle junge Männer verlorengingen (V 1). Hätte man sie nicht einfach einziehen können und kurz vor Auftritten dann üben lassen? Das reichte nicht: David und die Heeresleitung wollten Exzellenz. Deshalb wählten sie die besten Musiker und setzten sie frei. Ihre Qualität und Exzellenz wird immer wieder dadurch unterstrichen, dass sie nicht nur gut spielten, sondern regelrecht prophezeiten auf ihren Instrumenten. Sie alle waren Meister (V 7), alle waren exzellent, weniger reichte nicht.

Wenn wir nach Exzellenz streben, streben wir nach etwas, das zum Wesen Gottes gehört:

– Als Gott Himmel und Erde erschaffen hatte, gab er sich selbst die Bestnote: Sehr gut (1. Mose 1,31). Nicht ok, nicht gut, sondern sehr gut, exzellent (1. Mose 1,31).
– Als Gott den Auftrag gab die Stiftshütte zu bauen, bestand er auf das Engagement der beiden besten Kunsthandwerker Israels, auf Bezalel und Oholiab (2. Mose 31,1-6).
– Als Gott die Welt rettete, gab er das Beste, was er geben konnte: das Leben seines einzigen Sohnes (Joh. 3,16).

Weil die Bibel den Wert der Exzellenz so groß schreibt, müssen wir uns verabschieden von Haltungen, die in frommen Kreisen diesem Streben oft entgegengesetzt werden. Es sind Argumente wie:

1. „Exzellenz ist nicht so wichtig, Hauptsache es kommt von Herzen.“

Ich sage: wenn etwas wirklich von Herzen kommt, dann ist es exzellent.

2. „Wir wollen keine Werkgerechtigkeit.“

Was hat Exzellenz mit Gerechtigkeit zu tun? Nichts. Wir geben nicht deswegen unser Bestes, weil wir uns davon mehr Liebe oder Anerkennung bei Gott versprechen, wir geben es nicht, um gerechter zu werden. Wir geben es aus Dankbarkeit, weil wir geliebt sind, weil wir angenommen sind und zwar ohne Vorbedingung. Wir geben nicht, damit wir etwas bekommen, sondern weil wir etwas bekommen haben. Gottes grenzenlose Liebe setzt in uns Begeisterung frei, unser Bestes ist die angemessene Antwort auf sein Kreuz und sein Leiden !

3. „Wir wollen Gott nicht im Wege stehen mit unserm Können und Planen.“

Besonders in pfingstlich-charismatischen Kreisen hat man häufig die Sorge zum Ausdruck gebracht, Planen, Üben und Vorbereiten könnten Gottes Inspiration verhindern. „Wir wollen, dass Gott zum Zuge kommt und das will er vielleicht gerade durch ein schräges Lied, einen misslungenen Beitrag.“ Ja, das kann Gott tun! Sollte das aber eine Begründung dafür sein, dass wir untätig bleiben oder mittelmässig oder schlecht vorbereitet? Exzellenz steht in keinem Widerspruch zu Gottes Inspiration. Das Streben nach Inspiration ist vielmehr eine Herausforderung für die Moderation, das Programm nicht leichtfertig oder gebetslos zu planen, sondern immer für Gottes Führung offen zu sein. Ein Argument gegen Exzellenz ist es aber gerade nicht.

2. Der Weg zur Exzellenz
Wie kommt man zu Exzellenz? Die Antwort ist schlicht und einfach: Üben ! Genau das wird uns in Vers 7 gesagt. Alle Sänger waren „geübt“, sogar so geübt, dass man sie „Meister“ nannte. Wieviele Stunden der Vorbereitung und der Weiterentwicklung werden hier investiert worden sein? Und zum „Üben“ gehörte nicht nur das Verbessern und Verwalten des Bestehenden, sondern das ständige Ausschau halten nach neuen Akkorden, nach neuen Melodien, nach neuen Ausdrucksweisen. Die Psalmen sind voll von Aufforderungen wie „Singt dem Herrn ein neues Lied“ oder davon, neue und möglichst viele Instrumente einzusetzen. König David brachte seinem Team ständig neue Texte, neue Vorschläge, über 80 Psalmen gehen auf sein Konto. Das Team hatte viel zu tun, um immer wieder Neues zu schaffen. Was heute gut ist, ist morgen schon nicht mehr das Beste. Eine inspirierende Gemeinde steht daher nie still, sondern entwickelt sich immer weiter. Exzellenz ist kein Zustand, Exzellenz ist eine Haltung, exzellente Leute sind immer in Bewegung, im Aufbruch.

Können wir so weit gehen und sagen, auch das ist ein Wesensmerkmal Gottes? Das ständige Besserwerden wollen, das ständige Suchen nach Vervollkommnung? Warum hat Gott Himmel und Erde nicht an einem einzigen Tag gemacht? Hätte er nicht mit einem Wort alles auf einmal schaffen können? Warum benötigte er sechs Tage? Nach jedem Tag fing er wieder neu an und verbesserte, ergänzte, entwickelte weiter. Gott ist ein Künstler! „Nein, hier fehlt noch was, es braucht noch Meerestiere, es braucht noch Vögel, es braucht noch Pflanzen!“ Der Schöpfungsakt ist ein Prozess, ein Verfeinern und immer besser machen. Erst als Gott die Krone der Schöpfung, den Menschen schuf, erst danach, ruhte er. Sein Meisterstück. Dieses Streben nach Vervollkommnung, nach Weiter-entwicklung ist ein Wesensmerkmal Gottes und deshalb steckt es auch im Menschen. Es ist eine Voraussetzung, um Exzellenz zu erreichen.

3. Die Wirkung von Exzellenz
Bei der Einweihung des Tempels, Jahre später, nach vielen Auftritten und Einsätzen, bei denen sie immer besser geworden waren, wird uns gezeigt, welch einen unglaublichen Impact dieses Team um Asaph, Heman und Jedutun hatte (2. Chr. 5,11-14). Ihr Dienst wird in einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Erscheinen der Herrlichkeitswolke gestellt. Als sie spielten und zwar „wie ein Mann“ und ihre Stimme war „wie eine Stimme“, da offenbarte Gott seine Herrlichkeit und die Priester konnten nicht mehr weitermachen wie zuvor. Dieses „wie ein Mann“, „wie eine Stimme“ ist eine Aussage der Qualität, der Exzellenz.

Ganz allgemein gesprochen können wir sagen, Exzellenz öffnet den Raum für Gott, bringt Himmel und Erde in Berührung und bewirkt, dass Menschen nicht mehr weitermachen können wie bisher. Zeigt uns das nur diese Stelle? Wir hatten am Samstag eine Hochzeit in der Schlosskirche Eller. Als das Duett Gareth und Jule ihre beiden Lieder sang, konnte man die Bewegung der Herzen im Raum förmlich spüren. Begleitet von Daniel sangen sie so herzergreifend, dass jeder Ehrfurcht spürte und eine Nähe Gottes. Manche Sprachforscher vermuten, das Entstehen des Jodelns deute auf eine innere Ergriffenheit angesichts der überwältigenden Schönheit der Berge hin. Eine Art Glossolalie (Zungenrede), ein Loben und Jubilieren ohne geformte Worte, Laute, die aus dem Herzen überfließen, eine Art Anbetung über die Exzellenz der Schöpfung. Ich könnte mir das vorstellen. Ich denke an Henry Nouwen, der erzählt, eine Nacht in der Eremitage von St. Petersburg verbracht zu haben. Dort saß er stundenlang vor dem beeindruckenden Rembrandtgemäde: Der verlorene Sohn kehrt zurück. Die Schönheit und Ausdruckskraft des Bildes fing für ihn an zu sprechen und danach konnte er nicht mehr so weitermachen. Er hing seinen Professorenjob in Harvard an den Nagel und zog in eine Kommunität mit Behinderten, um dort in christlicher Nächstenliebe das weiterzugeben, was er dort unter dem Bild empfangen hatte.

Exzellenz hat Wirkung, sie ruft etwas hervor, ein Staunen, eine Bewegung, ja, ein Überwältigtsein, sie öffnet der Herrlichkeit Gottes eine Tür. Und genau darum muss es gehen in der Kirche, um nicht weniger!